Krankheiten und ihre Behandlung:


Nun kommen wir zu einem Thema, mit dem sich sicherlich keiner so gerne beschäftigt, was aber für jeden Aquarianer wichtig ist und womit sich jeder Aquarianer vorab beschäftigen sollte - und zwar rechtzeitig und nicht erst, wenn es zu spät ist! Denn je früher eine Krankheit behandelt wird, um so leichter und schneller kann sie mit Erfolg behandelt werden.


Wie schon auf den anderen Seiten erwähnt, ist der Diskus kein so schwierig zu pflegender Fisch und er ist auch nicht so anfällig für Krankheiten, wie es oft dargestellt wird. Er ist einer der robustesten Fische, die es gibt!


Bevor man zu den Medikamenten greift, sollte man für optimale Haltungsbedingungen sorgen, wie z.B. kein überbesetztes Aquarium, da dadurch viele Schadstoffe, wie Kot und Futterreste das Wasser sehr stark belasten.


Außerdem sollte man einen regelmäßigen Teilwasserwechsel durchführen (ich persönlich wechsel jede Woche ca. 25 % des gesamten Wasservolumens). Zu guter Letzt sollte man sehr abwechslungsreich füttern und vor allem nicht zuviel Futter in das Becken geben (als Faustregel gilt: soviel Futter, wie die Fische in 5 Minuten fressen können).


Wenn man diese Haltungsbedingungen einhält und sich täglich die Zeit nimmt seine Fische zu beobachten, um so jede kleinste Veränderung der Fische, egal ob äußerliche Anzeichen (z.B. Dunkelfärbung, gallertartiger Kot, Verletzungen der Haut, usw.) oder veränderte Verhaltensweisen (z.B. schnelle schießende Bewegungen, andauerndes alleiniges "in der Ecke stehen", Einstellung der Futteraufnahme, usw.) zu erkennen, dann ist man schon ein ganzes Stück weiter.


Vor einigen Jahrzehnten noch, kannte sich kaum jemand mit den verschiedensten Krankheiten der Aquarienfische und deren richtige Diagnose aus. Das führte oft dazu, daß aus Unkenntnis Medikamente auf Verdacht eingesetzt wurden bzw. prophylaktisch dem Aquarienwasser zugesetzt wurden. Dadurch ist der Fisch ständig unnötiger Belastungen und sogar Vergiftungen ausgesetzt, was sicherlich oftmals noch schlimmer ist, als die eigentliche Krankheit. Ein weiterer negativer Nebeneffekt, ist die Bildung von resistenten Stämmen der Krankheitserreger, mit denen heutzutage viele Aquarianer zu kämpfen haben.


Mittlerweile hat die Wissenschaft viele Krankheiten erforscht, so daß auch relativ sichere Diagnosen gestellt werden können und man mit den geeigneten Medikamenten behandeln kann. Man kann und muß nicht jede Krankheit, ihre Symtome, und die dazugehörige Behandlungsform auswendig kennen, aber man sollte wissen, wie man schnell reagieren kann, wenn sie auftreten. Es gibt die Möglichkeit jemanden um Rat zu fragen, der sich mit dieser Thematik intensiv befaßt hat und sich sehr gut auskennt. Außerdem gibt es heutzutage jede Menge Literatur über Fischkrankheiten, so daß jeder, egal ob "Anfänger" oder "Profi" die Möglichkeit hat, sich darüber selbst zu informieren. In diesen Büchern sind genau die Symptome, der Verlauf der Krankheit und mögliche Behandlungsmethoden beschrieben.


Ich persönlich schwöre dabei vor allem auf zwei Bücher:


1. Titel: Gesunde Diskus und andere Großcichliden (Band1 und Band2) von Dieter Untergasser
Diese Bücher sind etwas anspruchsvoller, aber sie beschäftigen sich viel mit den Krankheiten der Diskusfische (Achtung - man sollte sich die neueste Auflage zulegen!)


2. Titel: Krankheiten der Aquarienfische, Diagnose und Behandlung von Dieter Untergasser
Dieses Buch ist sehr gut für Anfänger geeignet. Klar und verständlich werden dort sehr viele Krankheiten abgehandelt.


Die Behandlung kranker Fische sollte wie folgt durchgeführt werden:


Diagnostizieren der Krankheit und/oder des Parasiten


Erkennen der krankheitsauslösenden Ursachen, z.B. schlechte Filterung, schlechte Wasserwerte, falsche Dekoration, falsches oder verdorbenes Futter, falsche Fischzusammenstellung, falsche Beleuchtung, usw.



Beheben der krankheitsauslösenden Ursachen. Die Fische haben ein gutes Immunsystem und werden bei guter Pflege mit vielen Parasiten fertig, sie sind zwar infiziert, erkranken aber nicht.

Wenn erforderlich, Behandlung mit dem richtigen Medikament in der richtigen Dosierung (eine Unterdosierung sowie prophylaktische Medikamentengabe fördert die Bildung von Stämmen resistenter Krankheitserreger, eine Überdosierung schädigt die Fische oder tötet sie sogar).


Einhalten der erforderlichen Behandlungsdauer.


Entfernen der Medikamentenreste (nach der Behandlung) aus dem Aquarium (z.B. durch einen großen Wasserwechsel mit anschließender Kohlefilterung). Der genaue Ablauf des Entfernens von Medikamenten aus dem Wasser, wird in vielen Aquaristikbüchern ausführlich erläutert.

Sicherlich wird sich jetzt so mancher Besucher fragen, warum ich nicht auf einzelne Krankheiten und deren Behandlungsformen eingehe. Das hat mehrere Gründe! Zum einen ist dies ein sehr komplexes Thema, womit man hunderte von Seiten füllen könnte und zum anderen gibt es für viele Krankheiten Medikamente, welche man nur mit Rezept in Apotheken beziehen kann und dies nicht ohne Grund. Es handelt sich dabei um Präparate, die bei falscher Anwendung nicht nur dem Fisch schaden bzw. sogar töten kann, sondern auch bei Unachtsamkeit gesundheitsschädlich für den Menschen sind. Daher verweise ich doch lieber auf die sehr umfangreich vorhanden Literatur bzw. auf den Besuch beim Tierarzt oder dem gutem Züchter, die einem qualifiziert weiterhelfen können. Ich bitte dafür um Ihr Verständnis!

Beim surfen durch das Internet habe ich nun folgenden Artikel von Susanne Ernst gefunden, der mir sehr interessant vorkam und den ich Euch nicht vorenthalten möchte. 

Aus der Zierfischklinik:
Dicke Bäuche - weißer Kot

Darmflagellaten, Rund- und Bandwürmer sind unbeliebte Untermieter in den Organen unserer Aquarienfische, die sich erst still und heimlich vermehren, bevor sie Krankheitssymptome auslösen.


 

Bild 1: Protoopalina sp. aus dem Enddarm eines Diskusfisches. Diese Einzeller treten oft massenhaft im Fischdarm auf, ohne ihrem Wirt zu Schaden.


Obgleich sie seltener anzutreffen sind, als die in den letzten beiden Folgen dieser Reihe vorgestellten Haut- und Kiemenparasiten, sind auch die Parasiten des Magen- und Darmtraktes bei Fischen ein weitverbreitetes Übel. Eine einfache Diagnose scheint in diesen Fällen möglich, denn eindeutiger Hinweis auf einen Befall mit Darmflagellaten, Rundwürmern und Bandwürmern ist weißer Kot.

Über die letzte Aussage gestolpert? Ausgezeichnet! Ein einziges Symptom für drei vollkommen unterschiedliche Parasitengruppen, die auch noch mit ebenso unterschiedlichen Medikamenten bekämpft werden müssen; hier bedarf es einer detaillierteren Diagnose als nur dem Auftreten von weißem Kot.

Wie kommt es zu weißem Kot?

Weißer Kot entsteht dadurch, daß die Fische durch eine Störung des inneren Gleichgewichtes im Darm vermehrt Schleim und Darmzellen abstoßen. Diese Masse wird als weißlicher Schleim abgesetzt. Meist verlieren diese Tiere auch noch den Appetit und stellen das Fressen ein, wodurch das Symptom noch auffälliger wird. Die Störung des inneren Gleichgewichtes kann durch schlechte Haltungsbedingungen ebenso ausgelöst werden, wie durch Parasiten.

Um die Ursache für die Erkrankung der Fische zu diagnostizieren, werden dem lebenden Fisch mit Hilfe eines feinen Katheters Proben aus Vorder- und Enddarm entnommen und mikroskopisch untersucht. Die Schilderung der Haltungsbedingungen stellt zur Untersuchung eine wichtige Ergänzung dar, denn manchmal können kleine Veränderungen der Haltungsbedingungen dazu beitragen, einen Ausbruch einer Erkrankung zu verhindern - doch mehr dazu bei der Beschreibung der Parasiten.


 

Bild 2: Histologischer Schnitt einer infizierten Leber. Die dunkel umrandeten Areale sind Bereiche, in denen eingewanderte Parasiten eingekapselt wurden. Für funktionierendes Lebergewebe ist nicht viel Platz zurückgeblieben.


Darmflagellaten

Wenden wir uns erst einmal den Verursachern der Erkrankung zu. Vor allem Diskus, Skalar und Tropheus leiden häufiger als andere Fischarten unter einem Massenbefall mit Darmflagellaten. Es gibt eine Reihe von Flagellatenarten, die zur normalen Darmflora der Tiere zu gehören scheinen und keinerlei negative Effekte auf die Fischgesundheit haben, z.B. Protoopalina (Bild 1). Einzelne Arten haben allerdings die Fähigkeit zur spontanen Massenvermehrung, die Krankheitserscheinungen zur Folge hat, wie Hexamita sp. oder Cryptobia iubilans. Auslöser der plötzlichen und sprunghaften Vermehrung dieser Flagellaten können verdorbenes und ballaststoffarmes Futter, schlechte oder drastische Veränderungen der Wasserqualität oder Spannungen in der Sozialstruktur des Fischbesatzes sein. Hier finden sich auch Ansatzpunkte für Veränderungen der Haltungsbedingungen, um einem neuen Befall vorzubeugen.

Flagellaten schädigen ihren Wirt vor allem dadurch, daß sie durch die Darmwand hindurch in andere Organe einwandern. Nicht nur im Darm, sondern auch in Leber, Milz und Niere vermehren sie sich. Der Fisch reagiert auf die Invasion damit, daß Freßzellen auf den Weg geschickt werden, um die Eindringlinge zu vernichten; ein Entzündungsherd entsteht. Eine weitere Taktik, um den Parasiten am Weiterwandern zu hindern, besteht darin, ihn einzukapseln. Ringförmig wird Gewebe um die mit den Flagellaten befallenen Bereiche angelagert, so daß regelrechte Wucherungen in den Organen entstehen (Bild 2). Durch das massive Aufgebot an Abwehrfunktionen und die immer zahlreicher werdenden Abkapselungen wird die Funktion der Organe bis zur Lebensuntüchtigkeit eingeschränkt.

Im frühen Stadium der Infektion, wenn die Flagellaten noch nicht beginnen, in die Organe einzudringen, verursachen sie im Darm flächige Entzündungen. In einigen Fällen treten Symptome auf, die denen einer Bauchwassersucht ähneln und nicht selten durch bakterielle Sekundärinfektionen verursacht werden.

Behandlung

Flagellaten werden meist mit dem Wirkstoff Metronidazol oder anderen Nitroimidazolen behandelt, die in freiverkäuflichen Präparaten aus dem Aquaristikfachgeschäft enthalten sind. Wichtig bei der Anwendung ist dabei, daß Diskusfische im Krankheitsfall eine höhere Dosierung benötigen, als andere Fische.

In der Regel beträgt die Dosierungsanweisung 4 bis 7 mg/l Aquarienwasser; bei Diskusfischen sollte mit 8 bis 10 mg/l behandelt werden, Anwendungsdauer 3 bis 5 Tage, je nach Verträglichkeit und Wasserqualität. Bei Tieren, die kein Futter mehr aufnehmen, kann die Dosis verdoppelt werden. Unbedingt sollte beachtet werden, daß das Behandlungswasser einen leicht sauren pH-Wert aufweist und die Temperatur unter 300C beträgt. Während der Behandlung sollten UV-Röhren ausgeschaltet werden und am Ende der Behandlung das Aquarienwasser über Kohle gefiltert werden.

Eine Futterbehandlung ist natürlich nur im Anfangsstadium durchführbar, solange die Fische noch Nahrung aufnehmen. Dazu die Frost- oder Lebendfuttertiere für 3 Stunden im Kühlschrank in einer einprozentigen Metronidazollösung einweichen und einen Tag lang soviel wie möglich verfüttern. Die Meinun- gen über die Wirksamkeit einer Futterbehandlung gehen weit auseinander, in unserer Praxis waren wir damit einige Male sehr erfolgreich.

Nebenwirkungen

Leider hat Metronidazol einige unangenehme Nebenwirkungen:

- Halter berichten von Sterilität behandelter Zuchttiere, die allerdings nach einigen Monaten wieder auf- gehoben scheint.

- Nitroimidazole sind nierenschädigend. Bei der Untersuchung vorbehandelter Fische fielen Rückstände in den Nierenkanälchen auf, die die Organfunktion beeinträchtigen.

- In einigen Fällen wurde nach der Anwendung von Ausfällen der nitrifizierenden Bakterien im Biofilter berichtet, deshalb unbedingt die Wasserwerte während und nach der Behandlung kontrollieren.

 

Nematoden

Noch seltener als eine Infektion mit Darmflagellaten treten Rund- und Bandwürmer als Parasiten der Aquarienfische auf. Dabei sind vor allem drei Vetreter von unerfreulicher Bedeutung: Camallanus, Capillaria (beides Rundwürmer, Nematoden) und Bothriocephalus (Bandwurm, Cestode). Leider gibt es für diese Wurmarten keine deutschen Bezeichnungen.

Camallanus gehört, wie auch Capillaria, in die große Gruppe der Rundwürmer, die zu Land und zu Wasser viele Lebensbereiche besiedeln und zum allgemeinen Leidwesen auch parasitische Formen entwickelt haben. Nur sehr wenige dieser Rundwürmer können sich in den Aquarien entwickeln, da Nematoden komplizierte Vermehrungszyklen durchlaufen müssen, die mehrere Wirtswechsel einschließen. Ein Aquarium stellt in einem solchen Lebenszyklus eine Sackgasse dar. Camallanus und Capillarien dagegen brauchen nur einen einzigen Fisch, um sich fortzupflanzen und können sich daher im Aquarium problemlos massenhaft vermehren.

Ein Befall mit Camallanus wird vom Aquarianer häufig selbst diagnostiziert werden, denn die Weibchen dieser Arten sind lebendgebärend und entlassen die Wurmlarven direkt in das Aquarienwasser. Dazu wandern sie den Darm der Fische entlang bis in den Enddarm und strecken ihr Hinterende aus dem After der Fische heraus. Dort sind sie als feine rote Fäden erkennbar; oft hängen ganze Büschel am After der Fische.

Camallanus verfügt am Vorderende über eine kräftige Kopfkapsel (Bild 3), mit der sich der Wurm tief im Darm des Fisches verankert. Er ernährt sich von kleinen Gewebestücken und vom Blut der Tiere, daher auch die rote Farbe der Würmer am After.

Besonders gefährlich ist der Befall für kleine und junge Fische, die durch die Blutverluste und die Verletzungen der Darmwand sterben können. Jungfische verkümmern, entwickeln keine Farbenpracht und bleiben im Wachstum zurück. Größere Fische zeigen Appetitlosigkeit, weißen Kot und magern langsam ab. Manchmal fallen erkrankte Fische auch durch völlig untypische Verhaltensweisen wie gelegentliches Schießen durch das Becken oder das Schwimmen in Seitenlage auf. Allerdings treten diese Symptome bei allen Darmerkrankungen gleichermaßen auf und lassen noch nicht auf den Befall mit einer bestimmten Parasitenart schließen!

Auch Capillaria ist wie Camallanus den Rundwürmern zuzurechnen. Diese Würmer sind sehr dünn und durchscheinend, mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, obwohl sie häufig mehrere Zentimeter lang sind. Capillaria lebt, mit den Haken auf seiner Haut tief in den Darmzotten verankert, über Jahre im Fischdarm. Der Befall mit diesen Würmern ist häufig durch die Untersuchung des Kotes zu diagnostizieren, denn die Weibchen von Capillaria produzieren sehr charakteristische Eier, die mit dem Kot der Fische im Aquarium verteilt werden.

Die Eier sind von einer festen Hülle umgeben, die von Medikamenten nicht durchdrungen wird. Je nach Wassertemperatur schlüpft aus diesen Eiern nach 2 bis 3 Wochen die nächste Generation von Würmern, in freier Natur oft erst nach einem Jahr. Meist baut sich die Infektion innerhalb eines Bestandes schleichend auf. Die Fische magern ab, trotz gutem Appetit, die Farben verblassen und Zuchterfolge bleiben aus. Während die Fische, die an der oben beschriebenen Camallanus-Infektion leiden, unter der mechanischen Schädigung des Darmes und dem Blutverlust leiden, verursacht der Befall mit Capillaria einen chronischen Nährstoffentzug, der zu Mangelerscheinungen führt. Die Stoffwechselprodukte der Würmer vergiften die Fische allmählich innerlich, erst kommt es zu sporadischen Verlusten, die mit der Zeit immer häufiger werden. Allein die mikroskopische Untersuchung einer eingeschickten Kotprobe kann schon zur Klärung des mysteriösen Krankheitsgeschehens führen.

Behandlung:

Die Bekämpfung von Capillaria ist langwierig und mühsam. Vergleichbar mit dem Unterschied zwischen Kiemen- und Hautwurm gilt auch in diesem Fall, daß die eierlegenden Parasiten (den Kiemenwürmern vergleichbar) immer die unangenehmeren Vertreter sind, da man nie ganz sicher sein kann, daß auch wirklich kein Ei der Behandlung entkommen ist.

Als besonderes Handicap muß bei der Therapie berücksichtigt werden, daß Welse leider jeglichen medikamentösen Heilungsversuchen widerstehen. Sind die Tiere noch in einer guten Verfassung, sollte man sie in ein nacktes Glasbecken setzen und 2 bis 3 Wochen hungern lassen. Während dieser Zeit muß jeder Algenfilm im Becken sofort entfernt werden, um wirklich auch die geringste Nahrungsaufnahme auszuschließen. Auf diese Art und Weise wurden schon viele der unerwünschten Untermieter einfach ausgehungert, denn Capillaria ist auf den Nahrungsbrei seines Wirtes zur Deckung des eigenen Nährstoffbedarfes angewiesen.

Je nachdem, ob die Fische noch fressen oder nicht mehr, sollte eine Bade- oder eine Futterbehandlung durchgeführt werden. Futterbehandlungen sind im Grunde vorzuziehen, da eine Belastung des Aquarienwassers und des Filters vermieden wird.

Zur Anwendung kommt der Wirkstoff Levamisol, der im Entwurmungsmittel Concurat L 10% (Bayer) enthalten ist.

Für die Futterbehandlung werden lebende oder gefrostete rote Mückenlarven in eine dreiprozentige Concurat L- Lösung eingelegt. Lebende Mückenlarven sollten verfüttert werden, sobald die ersten der Larven beginnen, abzusterben. Gefrostete Mückenlarven werden aufgetaut, die austretende Flüssigkeit abgesaugt und vor dem Verfüttern 15 Minuten in der dreiprozentigen Concurat L- Lösung eingeweicht. Dieses Futter sollte für 3 bis 4 Tage zweimal täglich verfüttert werden. Die Behandlung sollte zweimal nach jeweils drei Wochen wiederholt werden.

Gegen den Befall mit Camallanus sollte eine Badebehandlung durchgeführt werden, um die freischwim- menden Larven im Aquarium gleich mit abzutöten. Dazu werden 30 mg Concurat L/l Aquarienwasser vorgelöst und gleichmäßig im Becken verteilt. Die Fische sollten 24 Stunden in diesem Bad schwimmen, anschließend muß ein großzügiger Wasserwechsel durchgeführt werden. Während der Behandlung das Badewasser sehr gut belüften.

Concurat L 10 Prozent ist stark zuckerhaltig. Darum kommt es vor allem bei der Badebehandlung zu einer Verschlechterung der Wasserqualität, die über Tage anhalten kann. Auch nach der Behandlung sollten in kurzen Abständen weitere Wasserwechsel durchgeführt und die Wasserwerte kontrolliert werden.

Bild 3: Camallanus hat eine charakteristische Kopfkapsel, mit der sich dieser Nematode im Darmgewebe der Fische verankert.


Bandwürmer

Bis vor wenigen Jahren waren Bandwürmer seltene Ausnahmebefunde im Darm von Wildfängen. Dann häuften sich plötzlich die Berichte, daß der Karpfenbandwurm Bothriocephalus acheilognathi Einzug gehalten hätte in die Därme der heimischen Aquarienbewohner (Bild 4). Als dann in sogar nur pfenniggroßen Nachzuchten von Diskus und Skalar bereits Bandwürmer nachzuweisen waren, schien es, als ob sich die Fische direkt über infizierte Elterntiere angesteckt hätten. Eine biologische Sensation, denn alle bekannten Bandwürmer weisen einen komplizierten Entwicklungszyklus auf, in dem sie eine Reihe von Larvenstadien in verschiedenen Wirten durchlaufen, bevor sie den sogenannten Endwirt, in diesem Fall Fische, infizieren. Eine Neuinfektion im Aquarium schien daher nicht möglich.

Wie kamen die Bandwürmer überhaupt in die Aquarien? Diese Frage war mit dem Blick auf den Speiseplan der befallenen Tiere leicht zu klären, denn in allen Fällen war selbstgefangenes Lebendfutter verfüttert worden. Doch plötzlich tauchten auch infizierte Tiere auf, die nachweislich nicht mit Lebendfutter gefüttert worden waren. Der Besuch bei den Anlagen der Halter brachte schließlich Klarheit. In den Filteranlagen der betroffenen Aquarien konnten Kleinkrebse nachgewiesen werden, die die notwendigen Zwischenwirte für die Bandwürmer darstellten. Die Eier (Bild 6), die die Bandwürmer abgaben, gelangten mit dem Kot in den Filter. Dort infizierten sich die Kleinkrebse, und von Zeit zu Zeit gelangten von dort aus wieder infektiöse Stadien in die Aquarien zurück, die die Fische neu infizierten; der Zyklus hatte sich geschlossen.

Befallene Fische zeigen die üblichen Symptome einer Infektion des Magen- und Darmtraktes: Abmagern trotz guter Futteraufnahme, Farbveränderungen, manchmal Verhaltensänderungen und im späteren Stadium auch weißen Kot. In einigen Fällen wirkt die Leibeshöhle wie eingefallen, in anderen Fällen ist sie durch das massenhafte Auftreten von Würmern aufgetrieben. Junge Fische bleiben im Wachstum zurück, regelmäßige Verluste sind zu beobachten.

Bandwürmer schaden ihren Wirten sowohl durch den Nährstoffentzug aus dem Nahrungsbrei als auch durch die mechanischen Verletzungen im Fischdarm, denn Bothriocephalus besitzt am Kopf große Sauggruben (Bild 5), mit denen er sich im Gewebe verankert, um nicht mit dem Nahrungsbrei hinausbefördert zu werden. Bei massivem Befall wird der Fisch anfällig für Sekundärinfektionen mit Bakterien oder Flagellaten, was schnell zum Tod der betroffenen Tiere führen kann.

Läßt man Tiere, bei denen man einen Bandwurmbefall vermutet, einige Tage hungern, fängt dann den Kot auf und untersucht ihn parasitologisch, sind große Zahlen von Eiern und manchmal sogar ganze Bandwürmer enthalten. Einen Befall mit Bandwürmern ganz sicher ausschließen kann man allerdings erst nach der Sektion, dem Öffnen eines der erkrankten Tiere.

Bild 4: Junge Bothriocephalus aus dem Diskusdarm.
Bild 5: Rechts und links des Kopfes sind die großen ovalen Sauggruben erkennbar, mit denen sich der Bandwurm im Darmgewebe festheftet.
Bild 6: Mit dem Kot der Fische gelangen kontinuierlich Eier in das Aquarium, aus denen je nach Wassertemperatur manchmal schon nach Stunden eine bewimperte Larve schlüpft.

Behandlung

In der Regel wird mit dem Wirkstoff Praziquantel behandelt, z.B. mit Droncit (Bayer). Meist kann eine Futterbehandlung durchgeführt werden. Dazu werden 4 bis 5 mg Praziquantel pro Gramm Futtermittel vermischt und über drei Tage verfüttert.

Nur in seltenen Fällen wird zu einer Badebehandlung geraten, da bei dieser Behandlungsform eher Unverträglichkeitsreaktionen ausgelöst werden können. Für die Badebehandlung werden 5 bis 10 mg Praziquantel pro Liter Aquarienwasser gelöst und im Wasser verteilt.

Nebenwirkungen

- Leider wird Praziquantel von einigen Fischarten nicht vertragen, z.B. von Panzerwelsen. Beim Auftreten von Vergiftungserscheinungen müssen die Fische sofort in frisches Wasser umgesetzt werden.

- Züchter berichten von vorübergehender Sterilität ihrer Tiere nach einer Praziquantelbehandlung.



Weißer Kot - Was tun?

- Gehen Sie im Geiste die Aquarienpflege der letzten Wochen durch: Wasserwerte, Wasserwechsel, Futterzusammensetzung, Unruhe und Aufregung im Becken; beseitigen Sie alle Mängel.

- Wenden Sie sich an einen Tierarzt oder Fischgesundheitsdienst, um die Fische parasitologisch untersuchen zu lassen, nachdem Sie sich vergewissert haben, daß nicht Streß durch schlechte Haltung für die Verfärbung des Kotes verantwortlich ist. So können viele überflüssige “Behandlungen auf Verdacht" vermieden werden und einem langen parasitenfreien Leben ihrer Fische steht nichts mehr im Wege.

 

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